|
Quelle: Wochen-Zeitung vom 12. Januar 1998
LANGNAU «I gloube i gange no meh, a Louenesee�» Die Berner Rockgruppe Span lieferte Rockmusik vom Feinsten
Rund 20 verschiedene Biersorten und heisse Rockmusik brachten am vergangenen Samstag die Kupferschmiede in Langnau zum Kochen. Angesagt war das erste grosse Bierfest, durchgeführt vom Biersammlerclub Emmental.
Das junge Organisationskomitee schien am vergangenen Samstagabend schlicht überfordert von dem Grossandrang. Während sich der SC Langnau in der Ilfishalle gleich in der Nachbarschaft der Kupferschmiede einen eher jämmerlichen Kampf gegen den Tabellenletzten Bülach lieferte, siegten die Biersammler Emmental auf der ganzen Linie. In der Bierschwemme floss das «Piwo» in Strömen und im Konzertraum drängten sich die Rockfans in Scharen. «Ausverkauft», lautete es bereits um 20 Uhr an der Abendkasse. Hauptattraktion neben den rund 20 verschiedenen Biersorten und den beiden Lokalbands Taunus und Street Rebells war ohne Zweifel die Mundartrockgruppe Span.
Mit sattem, treibendem Gitarrenrock eröffneten Taunus aus Zollbrück den Rockabend. Schnörkellos, mit einer grossen Spielfreude wurde das applausflaue Publikum auf eine heisse Nacht vorbereitet. Aufgelockert wurde der harte Rock mit der netten, akustischen Eigenkomposition: «Äs isch Zyt, das ig z'Outo la stah�» Eine gute Idee, wenn man bedenkt, wieviel Alkohol zur selben Zeit gerade im Hintergrund konsumiert wurde. Dabei dachten Taunus in ihrem Text eher an die Rettung der zugrundegehenden Umwelt als an die Rettung der im Bier ertränkten Seelen. Ebenfalls sehr schön interpretiert, der irische Folk von den Travellers. |
|
 |
|
Eine willkommene Abwechslung für bereits arg strapazierte Ohren. Während die Street Rebells ihre Coverversionen in gewohnter Art und Weise vortrugen, schien das Publikum müde zu werden. Countryrock, Blues und Crossover, man kannte sie halt, die Musik der Rebellen. Schade, denn diese Band könnte sich durchaus weiterentwickeln. Etwas mehr Mut und Experimentierfreude würden vielleicht nicht schaden. Vor allem sollte der Frauenstimme in der Band mehr Freiraum geschaffen werden. Vielleicht würde sie ihre vorhandene Kraft lieber in ihre Stimme investieren, als in das Schlagen des Schellenrings.
Verstärkt durch ihre Special Guests, dem Countrysänger Mark Midler, dem englischen Gitarristen Brian Fairmen und dem Schlagzeuger Bruno Dubois, wurde der Auftritt der Street Rebells schliesslich doch noch gerettet. Vor allem Mark Midler war es, der die Kupferschmiede für einen kurzen Moment zum Kochen brachte.
Endlich waren sie da - übernahmen komentarlos die Bühne - Span. Ein kurzer Blick über die Monitorboxe auf die Setliste versprach einen tollen Act. Wer wegen den «alten» Span gekommen war, kam voll auf seine Kosten. Das Publikum wurde mit jedem Stück ausgelassener. Alt und Jung grölten fröhlich mit. Songs wie Louenesee, Stägeli, Bärnerrock und Tschouzäme, zeitlos und heissgeliebt. Span sind wieder da. Unverwechselbar und kreativ sind sie immer wieder für Überraschungen gut. Die Songs ihrer neuen CD «Gangloff» geschickt unter die Alten bekannten gemischt, war ihr Auftritt «drüfach verglaset und ybetoniert». Total gut und überzeugend bestachen die Berner-Rock-Dinos auch nach 26 Jahren. Musikbusiness und 12 CD's immer noch mit ihrer Strassenrandpoesie, vor allem aber durch ihre Altersweisheit. Ein lebender Beweis dafür, dass Rockmusik mit einem wahren Jungbrunnen gleichzusetzen ist.
Hilda Baur |
|